Echte Wirkung 1024x768

Warum echte Wirkung selten Applaus bekommt

Die Arbeit, die am meisten bewegt, wird oft am seltensten erwähnt. Über den Unterschied zwischen Wirkung und Reichweite und warum man ihn so leicht vergisst, wenn man lange genug im selben System arbeitet.

Pauschal abwerten will ich das nicht, manche dieser Räume tun Menschen tatsächlich gut. Die meisten Angebote richten sich aber nach dem, wonach Menschen sichtbar suchen, also nach Heilung, Orientierung und Antworten. Daneben gibt es eine andere Art von Arbeit, die erst interessant wird, wenn jemand schon eine Menge hinter sich hat. Sie bedient kein Bedürfnis und verspricht nichts, sie erinnert eher an etwas, das schon da war.

An eine Stunde denke ich oft zurück. Eine Frau hat damals zum ersten Mal einen Satz ausgesprochen, den sie seit Jahren mit sich herumgetragen hatte, ohne ihn je laut zu sagen. Von außen war daran nichts Besonderes, es gab keinen Durchbruch mit Musik im Hintergrund, nur eine Stunde, in der endlich Platz für diesen einen Satz war. Drei Monate später hörte ich, wie sie in einem ganz anderen Zusammenhang von ihrer Wandlung erzählte. Es ging um ein Retreat, das sie danach besucht hatte, und der Satz und die Stunde davor kamen in der Geschichte nicht vor. Gekränkt hat mich das nicht. Es hat mir eher noch einmal gezeigt, wie diese Art von Arbeit funktioniert: Sie bereitet vor, was später sichtbar wird, und bleibt selbst meistens unerwähnt.

Über die Jahre habe ich viele Menschen erlebt, die sich auf diesen Weg gemacht haben, manche mit großer Bühne und manche ganz ohne. Dabei wiederholt sich etwas. Wer die eigene Wahrheit wirklich ernst nimmt, verliert unterwegs etwas, Follower, Kundschaft und manchmal auch Freunde, denen die alte, angepasstere Version lieber war. Was danach übrig ist, sieht von außen ziemlich leer aus und fühlt sich von innen klar an. Authentisch zu arbeiten heißt für mich deshalb auch nicht, keine Fehler zu machen oder ständig in sich zu ruhen. Es heißt, bei dem zu bleiben, was man tatsächlich sieht und weiß, auch wenn es unbequem ist und gerade niemand davon hören will.

Ein Teil dieser Arbeit bleibt schon von ihrer Bauart her unsichtbar. Oft ist man die Erste, bei der jemand anfängt zu verstehen, was in ihm steckt, oder die, bei der etwas ins Rutschen kommt, das jahrelang festsaß. Dann geht der andere weiter, zu einer neuen Praxis, einem neuen Coach oder auf eine größere Bühne, und erwähnt nie wieder, wo es angefangen hat. Mit Undankbarkeit hat das wenig zu tun. Das ganze System feiert Ergebnisse und interessiert sich kaum für die Vorarbeit, ohne die es sie nicht gegeben hätte. Wer an dieser Stelle arbeitet, gewöhnt sich irgendwann daran, dass die eigene Rolle oft entscheidend ist und fast nie zu sehen.

Manchmal besteht die eigene Wirkung aus einem Satz oder einer Stunde, in der jemand gehalten wurde, und das kann reichen, auch wenn nie eine Rückmeldung kommt. Von Bestätigung kann man bei dieser Arbeit nicht leben. Man braucht die Überzeugung, dass etwas stimmt, egal wie viele es sehen, kaufen oder verstehen. Wertlos ist Reichweite deshalb nicht. Sie ist nur etwas anderes als Wirkung, und die beiden verwechselt man leicht, wenn man lange genug im selben System unterwegs ist.

Ich will mit dem, was ich mache, die Menschen erreichen, für die es wirklich passt, und das sind selten die meisten. Dafür braucht es kein großes Marketing. Es braucht Klarheit darüber, was man eigentlich anbietet, und genug Geduld für die Phasen, in denen sich das nicht auszahlt. Wer den Unterschied zwischen Wirkung und Applaus aus eigener Erfahrung kennt, wird ihn wiedererkennen, und allen anderen fällt er vermutlich gar nicht auf.

Wenn du etwas dazu sagen willst, schreib mir an kontakt@anvea.net. Ich lese jede Mail selbst.

Nayla

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