ÜBER MICH

Früher landeten meine Erkenntnisse auf kleinen Zetteln in einem alten Karton. Dass daraus einmal Bücher entstehen würden, war nie der Plan. Ich wollte schlicht verstehen.

Schon als Kind konnte ich Menschen stundenlang beobachten: die feinen Nuancen im Gesicht, die Art, wie sich Freude zeigt oder Trauer den Ausdruck verändert. Mich faszinierte, warum manche Widersprüche völlig logisch wirken, während ein einziger Satz genügen kann, um mir ein Gespräch unerträglich zu machen.

Dazu kam eine eigene Wahrnehmung, die ich lange für normal hielt. In der ein Sonnenuntergang nach Marshmallows schmeckte und Badewasser nach Vanille roch, während mich gleichzeitig mehrere sprechende Menschen völlig überfordern konnten. Erst später begriff ich, wie unterschiedlich dieselbe Wirklichkeit erlebt wird. Mich interessierte vor allem das, was zwischen einem Ereignis und seiner Bedeutung liegt. Wenn zwei Menschen dasselbe erleben und völlig andere Geschichten daraus machen: Was davon ist wahr?

Solchen Fragen folge ich, bis sich etwas zu einem nachvollziehbaren Zusammenhang ordnet.

Zwei Wege der Auseinandersetzung

WORKBOOK

POESIE

Nicht alles lässt sich erklären, ohne etwas von seiner ursprünglichen Beschaffenheit zu verlieren. Einsamkeit kann sich anfühlen, als würde der Boden unter den Füßen verschwinden und man treibt ohne Halt im Weltall. Ich könnte die Ursachen analysieren oder festhalten, wie es sich anfühlt.

Meine Poesie sucht keine Antworten. Sie ist der Versuch, ein Gefühl in seiner Eigenart festzuhalten, bevor eine Erklärung es verändert.

Beide Welten entspringen demselben Ursprung. Nur verlangen sie nach einer vollkommen anderen Art der Auseinandersetzung. Und während ich mich weiterhin mit der Welt beschäftige, kommen neue Zettel hinzu.

Manchmal wird daraus ein Buch.

Nayla Feron